2019-19 Lafayette und Cajun Music

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Bereits zwei Abende vorher hatte ich mir Gedanken gemacht, diese eigentlich einfache Strecke nach Lafayette nicht nur auf dem Interstate Highway 10 „abzuspulen“, sondern sie durch landschaftlich schönere Elemente aufzuwerten. Dabei bin ich darauf gestoßen, dass es vom obersten Ende der Insel Galveston eine Fährverbindung zur nächsten (Halb-)insel Bolivar gibt, auf der ich mich dann auf einer schönen Nebenstrecke dem ISH 10 würde nähern können.

Und deshalb war ich an diesem Morgen bereits früh unterwegs und stand, als sich die ersten rötlichen Streifen am Himmel zeigten, bereits an der Fährstation. Je nach Verkehrssituation verkehren hier bis zu 5 Fähren gleichzeitig auf dem etwa 30 minütigen Weg zwischen Galveston und Bolivar. Und das allerbeste – diese Fähren sind kostenlos!

Auf der Fähre konnte ich mich dann wieder ein wenig per WhatsApp mit der besten Ehefrau von allen zuhause austauschen. Da es in der Nacht etwas geregnet hatte und kaum abgekühlt war (eine echte tropische Nacht), erkundigte sie sich besorgt, ob ich Kopfschmerzen hätte. Aber das habe ich auf der ganzen Reise noch nicht gehabt, vielleicht, weil dies genau die Art des Reisens ist, die mir liegt und die ich persönlich am liebsten habe. Lieber auch, als vielleicht zwei Wochen nur am Strand zu liegen.

Und es ist schon verrückt – als ich Kind war, kostete ein 30 sekündiges Telefonat in die USA 10 Deutsche Mark. Und heute kann man auf Knopfdruck weitgehend kostenfrei über beliebige Entfernungen von überall her miteinander texten, telefonieren oder facetimen.

Mittlerweile hatte die Fähre ihr Ziel erreicht und ich konnte dem Morgenlicht entgegenfahren.

Die Strecke ging immer dicht neben dem Meer her über flaches Land. Offensichtlich kommt es hier auch häufiger einmal zu Überflutungen – so stelle ich mir das zumindest beim Anschauen der Häuser hier vor.

Erst am Ende der Halbinsel knickt die Straße in Richtung des Landesinneren ab und ich nähere mich stetig dem ISH 10, auf dem ich die Fahrt bis Lafayette fortsetze und mich immer weiter den Swamps und Bayous nähere. Und welche Musik passt dazu besser als CCR mit ihrem Born on the Bayou“, wobei ich dann die Lautstärke spürbar erhöht habe…

In Breaux Bridge, einem kleinen Ort neben Lafayette in diesem Sumpfgebiet Louisianas, gehe ich ins dortige Visitor Center, das von zwei Damen betreut wird. Zum einen freuen sie sich, dass jemand kommt (ich bin, wie ich im Gästebuch sehe, erst der vierte Besucher an diesem Vormittag) und zum anderen sind sie begeistert, dass ich aus Deutschland komme und diese Reise mache. Die eine Dame hatte Urgroßeltern, die aus Deutschland kamen (sie weiß den Ort nicht so genau und ich kann die ungefähre Aussprache Gürken keinem bekannten Ort zuordnen)und die andere Dame kann zumindest ihren Nachbarn vorweisen, der in den 70er Jahren aus Deutschland in die USA ausgewandert ist. Nach langem Smalltalk, den die Damen gerne noch weitergeführt hätten, kommen wir dann doch auf den Zweck meines Besuchs zu sprechen: die Suche nach einem passenden Unternehmen für eine Bootsfahrt durch die Sümpfe. Sie haben auch eine ganz klare Empfehlung und als ich zustimme, klären sie sofort telefonisch für mich mit dem Unternehmen eine Reservierung auf meinen Namen für den Nachmittag und geben mir ausführlichste Anweisungen für die Fahrt dorthin mit auf den Weg.

Ich fahre allerdings vorab zuerst zum Hotel, wo ich bereits gegen 11:00 Uhr einchecken kann. Die Rezeptionistin gibt mir auf meine Frage, ob sie mir für den Abend ein Restaurant, in dem es auch Cajunmusik live zu hören gibt, empfehlen könne, die Antwort, da habe sie genau das Richtige für mich: das Restaurant Prejean‘s. Interessanterweise finde ich dann auch in meinem Reise-Ebook in den Auszügen für Lafayette dieses Restaurant als Empfehlung – das kann also nicht wirklich schlecht sein. Ich räume noch meine Sachen in mein Zimmer und mache mich von da aus auf, Lafayette kennenzulernen.

Das Stadtinnere von Lafayette

Lafayette ist eine gemütliche kleine Stadt, deren Hauptstraße – die Jefferson Street – breite Bürgersteige, viele Bäume und zahlreiche kleine Geschäfte, Cafés, Kunstgeschäfte und Restaurants aufweist. Selbst ein kleines Wissenschaftsmuseum findet sich. Mir gefällt es richtig gut hier und es macht Spaß, einen Latte Macchiato zu trinken und dabei das Treiben auf der Straße zu beobachten.

Rechtzeitig mache ich mich dann während eines Regenschauers (meines ersten auf dieser Reise!) auf zur Abfahrtsstelle für die Sumpftour bei Champagne‘s Cajun Swamp Tour. Unser Guide Allan steht schon bereit, um mich und ein Ehepaar aus Portland, Oregon durch die Sümpfe zu führen. Pünktlich um 15:00 Uhr hört der Regen auf und wir fahren langsam durch eine unwirkliche Landschaft.

Eine kurze Begriffsklärung sei an dieser Stelle angebracht: Unter swamps versteht man hier überflutete, aber mehr oder weniger bewachsene Landschaften wie auf dem Foto. Bayous hingegen sind breitere, aber sehr langsam fließende Flüsse, die durch die swamps hindurchgehen.

Krokodile stoßen fauchende Geräusche aus, wenn sie ungebetene Gäste vertreiben wollen. Leider habe ich für ein Foto den Moment des weit geöffneten Maules verpasst.
Hier sind wir auf einem bayou in den swamps

Nach ca. anderthalb Stunden kehren wir zur Anlegestelle zurück. Wir hatten das Glück, in Allan einen äußerst sachkundigen und umweltbewussten einheimischen Guide auf dieser Tour gehabt zu haben.

Nach einer kleinen Pause im Hotel mache ich mich dann noch zum Restaurant auf, wo ich nur die Aussagen meiner Tippgeber bestätigen kann: ein feines Restaurant mit feinem Essen zu regulären Preisen. Der Besitzer begrüßt hier jeden Gast auch an seinem Tisch und hält ein kleines Schwätzchen mit ihm. Und danach freute ich mich dann auf die Cajunmusic.

Ich bin Anfang der 90er Jahre einmal auf einem Country-OpenAir-Konzert in der Nähe von Aachen gewesen und dort spielte neben diversen anderen Bands auch eine deutsche Band (Helt OncaleCajunmusic. Seitdem höre ich diese Musik und auch diese Band einfach immer wieder gerne.

Kleine Anmerkung: Der Begriff Cajun steht für eine Bevöllkerungsgruppe, eine Musikrichtung, eine Küchenausrichtung und eine Sprache. Alles bezieht sich auf Franzosen, die im 18. Jahrhundert nach dem Britisch-Französischen Krieg aus ihrer Heimat in Kanada, der Provinz Acadie vertrieben wurden. Sie wurden hier in Louisiana, wo sie sich ansiedelten, deshalb Acadians genannt, was sich sprachlich im Laufe der Zeit zu Cajuns abschliff.

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