2019-20 New Orleans und Jazz Music

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Heute hatte ich lediglich eine kleinere Strecke zu bewältigen und wieder stellte sich die Frage, ob ich auf dem ISH 10 fahren sollte oder auf einer kleineren Nebentrecke durch das Hinterland.

Diesmal entschied ich mich jedoch aus zwei Gründen für den Interstate Highway. Zum einen führt er durch Baton Rouge, die Hauptstadt Louisianas, was zumindest einen kleinen Zwischenstopp rechtfertigte und zum anderen gibt es hier eine ganz besondere Brücke.

Der ISH verläuft quer durch das Atchafalaya Basin, das den westlichen Teil des Mississippi-Deltas bildet und das größte Sumpfgebiet der USA bildet. Das Atchfalaya Basin wurde als Naturreservat deklariert und der ISH nicht einfach in die Landschaft gesetzt (was sämtliche Wasserflüsse unterbrochen hätte), sondern als 30 km lange Brücke ausgeführt, die mit getrennten Fahrspuren auf einzelnen Betonpfeilern steht.

Die separate Gegenspur der Atchafalaya Swamp Brücke

Am Ende der Brücke war ich dann auch bald in Baton Rouge angekommen, den meisten wohl bekannt durch Janis Joplin und ‚Me and Bobby McGee‘.

Busted flat in Baton Rouge, waitin‘ for a train

Interessant in Baton Rouge sind – neben der obligatorischen Kaffeepause – das alte und das neue State Capitol.

Das alte State Capitol ist im Stile einer Burg im neugotischen Stil ausgeführt worden
Das neue State Capitol hat für mich – man entschuldige den Vergleich – etwas phallushaftes an sich

Der zweite Teil der Strecke war ebenso schnell bewältigt, so dass ich schon um halb Zwölf an meinem Hotel ankam. Ich hatte allerdings vorher telefoniert, ob ich so früh bereits einchecken könnte. Ich hatte das Glück gehabt, ein gemütliches kleines Hotel mit eigenen Parkplätzen (die sonst über 30 US$ pro Tag kosten) zu finden, das darüber hinaus ausgesprochen günstig lag -genau zwischen French Quarter und Garden District, den beiden wichtigsten Gebieten für Besichtigungen.

Nach einer kurzen Pause machte ich mich ins French Quarter auf, das historische Zentrum der Stadt, um dort meine Runden zu drehen. Aber zuerst natürlich ins Café du Monde, eines der Wahrzeichen der Stadt und berühmt für seine Beignets.

Die originalen Baignets mit Café au lait im Café du Monde
Der Schaufelraddampfer Natchez
Die Brücke über den Mississippi, über die ich auch gekommen bin
Typische Ansichten im French Quarter
Echtes Zubehör für das echte New Orleans Voodoo
New Orleans hat tatsächlich ein Straßenbahnnetz

Gegründet und ursprünglich bewohnt wurde New Orleans von Franzosen, später kam es unter spanische Herrschaft. Nachdem Präsident Jefferson New Orleans von Napoleon gekauft hatte, wurden die Sklaverei und die Rassentrennung eingeführt.

Diese dann vorhandene bunte Mischung aus Franzosen, Spaniern, Cajuns, Schwarzen, Kreolen, Engländern und anderen bildete den Nährboden für die Geburt des Jazz hier in New Orleans.

Die St. Louis-Kathedrale, in der auch Papst Johannes Paul II schon gebetet hat

Der Uber-Fahrer, der mich zurück brachte, erzählte mir von Katrina, den fast 2.000 Toten und dass 150.000 Einwohner (rund ein Drittel) kein Zuhause mehr hatten und die Stadt verließen bzw. verlassen mussten, so wie seine Familie auch. Er ist mittlerweile dauerhaft zurück gekehrt, aber zeigte mir während der Fahrt viele Sachen, wo es beim Wiederaufbau immer noch hapert (zum Beispiel der Zustand vieler Straßen und Gebäude) und beklagte eine unglaubliche Korruption, wodurch viele der Gelder für den Aufbau einfach versickert sind.

Gerade das French Quarter hatte bei meinem letzten Besuch vor über zwanzig Jahren auf mich auch wesentlich lebendiger und frischer gewirkt. Heute waren da eine gewisse Lethargie und auch Zerfallserscheinungen spürbar.

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Zu Fuß ist der Garden District von meinem Hotel in einer Viertelstunde erreichbar und schon auf dem Weg dahin am folgenden Morgen fielen mir viele schöne Häuser ins Auge. Der edle Garden District war dann voll davon, jedes Haus anders, aber alle ließen die Pracht einer vergangenen Zeit spüren.

Bradish Johnson war ein Zuckerbaron und baute sich diese Villa 1872
In diesem Haus aus 1859 wurden Szenen für Django Unchained gedreht
Die Villa eines Colonel Robert Shaw aus 1859
Und dieses hübsche – von einer hohen Hecke umgebene – Haus wird von Sandra Bullock bewohnt
Die Villa von Michel Musson, dem Onkel des französischen Malers Edgar Degas

Vom Garden District aus wollte ich dann noch den alten Friedhof Lafayette besuchen, der viel Ähnlichkeit mit dem Pariser Friedhof Père la Chaise haben soll. Leider war dieser Friedhof auf unbestimmte Zeit wegen „Renovierung“ geschlossen, so dass ich mich nur recken und mit ausgestreckten Armen ein paar Aufnahmen über die Mauer hinweg machen konnte.

Auf dem Friedhof Lafayette

Für den weiteren Weg erneut ins French Quarter hatte ich geplant, mit der Straßenbahn zu fahren. Genau diese Linie hier (die grüne 903) fährt seit über 150 Jahren kontinuierlich und ist damit die älteste in Betrieb befindliche Straßenbahn der Welt.

Eine dieser Straßenbahnen hatte übrigens als Endstation die Station ‚Desire‘ und war Namensgeber für das Drama von Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ (auf englisch „A Streetcar named Desire“; habe ich auch erst hier gelernt), das mit Marlon Brando verfilmt wurde.

Fats Domino ist hier in New Orleans geboren (sein größter Hit war Blueberry Hill). Er verlor durch den Wirbelsturm Katrina den Großteil seines Besitzes.


Nach dreieinhalb Stunden in der heute sehr schwülen Hitze wollte ich erstmal zu einer Pause ins Hotel zurück und bestellte mir wieder ein Uber-Taxi. Wie schon so oft lernt man hier immer wieder äußerst interessante Menschen aus aller Welt kennen.

Diesmal war mein Fahrer Ali, ein Palästinenser aus Israel, der vor 15 Jahren in die USA gekommen war. Er lebte in Memphis und lernte dort seine jüdische (!) Frau kennen. Besonders nach der Geburt einer kleinen Tochter nahmen die Probleme mit den Schwiegereltern immer mehr zu und die Familie zog nach New Orleans um. Als ich von meiner Rundreise durch Israel, die mich auch in palästinensische Gebiete geführt hatte, erzählte, konnte er kaum genug davon hören. Er hatte Heimweh und wollte seine Heimat gerne noch einmal sehen.

In meinem kleinen Hotel zurück füllte ich zuallererst im Speiseraum meinen Wasserpegel wieder reichlich auf (dort gibt es immer volle Wasserspender für klares, Limonen- und Gurkenwasser). Dabei traf ich die nette ältere schwarze Dame, die uns das individuelle Frühstück zubereitet und serviert hatte, und kam mit ihr ins Gespräch.

Sie arbeitet seit 25 Jahren ohne Pause in diesem Hotel und hatte Katrina ohne Schaden überlebt (sie lebt in einem etwas höher gelegenen Viertel). Sie ist in New Orleans geboren, hat ihre Familie hier und ist nie woanders hingekommen. Meinen Vorschlag, ein Foto mit ihr zu machen, konnte sie erst gar nicht glauben, fand es dann aber ausgesprochen lustig!

Mit der netten Frühstückskellnerin

Am späten Nachmittag machte ich mich dann nochmal ins French Quarter auf, sozusagen zum Abschied, denn morgen früh geht es wieder weiter. Ich bummelte noch einmal durch die Bourbon Street, trank einen Milchkaffee im Café du Monde (mit Beignets), lauschte diversen Musikern und machte mich dann auf den Rückweg.

Laisser les bon temps rouler!

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