2019-24 Nashville mit Country Music

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Als ich heute Morgen zum Frühstück ging, war ich dort der erste und einzige Gast. Der Nachtportier war ein alter Rocker und wir kamen ganz schnell ins Gespräch, so dass er sich dann auch die ganze Zeit während des Frühstücks zu mir setzte und wir uns trefflich unterhalten haben.

Über Nashville und die Country Musik kamen wir schnell darauf, dass wir einen recht ähnlichen Musikgeschmack hatten bis hin zu ganz besonders David Bowie. Für ihn war immer noch die Musik der 70er das Größte und er bedauerte, Woodstock nicht miterlebt zu haben.

Seine Tochter ist mit 30 Jahren bei der Navy und gerade in England. Dort wäre er ebenfalls sehr gerne einmal, „but daddy ain‘t got the money to pay that“.

Der Nachtportier in meinem Hotel in Memphis

Beim Hinausgehen wurde ich von einem strahlenden Sonnenaufgang erwartet, so dass ich frohgemut in den Tag und auf meinen Weg nach Nashville startete.

Ein Sonnenaufgang wie Feuer

Ich hatte mich auch heute dazu entschieden, nicht über den Interstate Highway zu fahren (sonst wäre ich viel zu früh angekommen), sondern wieder eine landschaftlich schöne Strecke durch das Hinterland von Tennessee zu wählen. Dabei ist mir der Rand McNally-Atlas (sowohl gedruckt als auch in der Version für das iPad) immer eine große Hilfe, da er solche Strecken ausweist.

Die grüngepunktete Strecke über Bolivar und weiter war die meine (Quelle: Rand McNally)

Was lag näher, als heute als musikalische Begleitung David Bowie aufzulegen (bildlich gesprochen, ich habe etwa 200 CDs auf dem iPhone mit dabei). Und nun konnte ich mir ein ganz anderes Bild von diesem Bundesstaat machen, als es auf dem ISH möglich gewesen wäre. Das Land hier ist regelrecht grün mit vielen Laubwäldern und Ackerbau. Auch Baumwollfelder waren anfangs noch reichlich zu sehen, aber hier durchweg in gepflegtem Zustand von grün über erntereif bis abgeerntet. Außerdem normale Ackerflächen und fast ausnahmslos schmucke Häusschen.

Ich nutze ja auf meinem Roadtrip immer gerne die Karten-App von Apple zur Navigation. Nur die weibliche Stimme hat manchmal Probleme mit der Aussprache von englischen Worten. Irgendwann gab es beispielsweise eine Kreuzung zu einem Germantown Parkway. Angesagt wurde dies als „Germ Antoffn Parkwaih“.

Irgendwo im Hinterland – ich meine mich zu erinnern, dass es Waynesboro war – wollte ich dann auch mal wieder volltanken. Alles funktioniert prima, nur nach 1,10 US$ stoppte der Tankvorgang. Ich dachte erst, ich hätte etwas falsch gemacht, also alles von vorne: Kreditkarte einschieben, Zapfhahn entnehmen, Benzinsorte wählen und wieder stoppte es bei 1,10 US$.

Hmmm, ich kann ja jetzt nicht 30 mal diesen Vorgang bis der Tank voll ist wiederholen. Als aber bei der nächsten Tankstelle der gleiche Effekt auftrat, wurde ich doch etwas unruhig. Glücklicherweise hatte ich mir zuhause sämtliche Rufnummern, die auf irgendeine Weise erforderlich werden könnten, notiert, und meine prepaid Karte erlaubt weltweit unbegrenztes telefonieren – also in einer ruhigen, schattigen Ecke geparkt und mein Kreditkartenunternehmen angerufen. Die nette Dame dort konnte mich aber beruhigen, dass es keinerlei Sicherheitsproblem mit meiner Karte gab (so etwas hatte ich vor zwei Jahren einmal ganz massiv), sondern an den Lesegeräten in den Tanksäulen (es waren beides auch ganz unbekannte Benzin-Marken) läge, die wahrscheinlich mit ausländischen Kreditkarten Schwierigkeiten hätten. Auf jeden Fall konnte sie online genau meine drei Tankversuche für 1,10 US$ bereits sehen.

Ich hatte mittlerweile bereits gegen Cash vollgetankt, so dass ich mir im Anschluss erstmal ein Café suchte und auf den Schreck einen Kaffee und eine Zimtschnecke verzehrte!

Irgendwann hatte ich zuerst als unbewusstes Gefühl und dann als klare Überlegung, dass mich hier alles an das Dutch Country der Amish People in Lancaster, Pennsylvania erinnert. Als kurz danach in einem kleinen Dorf auch noch ein angespannter Pferdewagen vor einem Laden stand, nahm ich mir vor, dies mal zu recherchieren. Und tatsächlich, es gibt in Tennessee große Amish Ansiedlungen um Ethridge herum. Ich bin in Waynesboro nach Nashville abgebogen, wäre ich jedoch hier ein Stück geradeaus weitergefahren, wäre ich wenig später genau dahin gekommen.

Die Weiterfahrt verlief ansonsten bis zum Hotel reibungslos, wo ich allerdings immer noch zu früh ankam und eine halbe Stunde warten musste. Als kleinen Ausgleich bekam ich dann aber ein kostenloses Upgrade auf ein Deluxe-Zimmer. Und die Wartezeit habe ich genutzt, um ein langes Videotelefonat mit der besten Ehefrau von allen zuhause zu führen und mich über alles wieder in Ruhe auszutauschen.

Nach einer kleinen Pause machte ich mich dann auf den restlichen kurzen Weg nach Nashville und erlebte die zweite Enttäuschung auf meiner Reise: das Nashville, das ich vor über 20 Jahren kennengelernt hatte, bot damals auf dem Broadway und in den Seitenstraßen noch Kneipen, Bars und Restaurants, in denen gute handgemachte Countrymusik gespielt wurde. Heute ist daraus eine Partymeile ohnegleichen geworden. Man kommt vor Menschen kaum noch durch und wenn man Musik hört, ist es nur noch selten Country sondern eher überlaute aktuelle Popmusik. Besonders laut beschallen Busse mit Touristen, die den Broadway auf und ab fahren, die Straße.

Der Broadway
Das Johnny-Cash-Museum
Auf dem Broadway
Am Ende…

Das war nicht mehr ‚mein‘ Nashville. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich stattdessen lieber noch in St. Louis Zwischenstation gemacht, um mir den gigantischen Gateway Arch anzuschauen. Aber so ist das Leben halt und ich habe mir dann ein Stück von der Partyzone entfernt erst mal ein gutes Restaurant ohne Beschallung gesucht (Demos’) und mich mit einem leckeren Steak getröstet. Nach zwei Stunden bereits habe ich dann die Downtown wieder verlassen.

Morgen habe ich zum Abschluss meine letzte Strecke bis zu meiner letzten Station, Chicago, zu bewältigen. Aber ich werde es gemächlich angehen lassen und mir Chicago erst am Montag ganz in Ruhe anschauen.

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