2019-25 Über St. Louis nach Chicago

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Bei der Vorbereitung dieser Reise war der ursprüngliche Plan gewesen, die nächste Station nach Memphis in St. Louis zu haben und von hier aus nach Chicago weiter zu fahren. Der Gateway Arch in St. Louis hätte mich als Ziel ausgesprochen gereizt. Aber weil mir mein letzter Besuch vor über 20 Jahren in Nashville so gut gefallen hatte und ich ein Country-Fan bin, habe ich mich doch für Nashville mit kurzer Anreise von Memphis und längerer Weiterfahrt nach Chicago entschieden.

Nashville hatte ja, wie beschrieben, meine Erwartungen so gar nicht erfüllt. Nun ist das so eine Sache mit Erwartungen, sie können sich erfüllen oder auch nicht, insofern habe ich mich auch kein bisschen geärgert. Aber ein bisschen traurig war ich dann doch, weil ich ja deshalb auf St. Louis verzichtet hatte.

Heute Morgen im Bett habe ich hin- und her überlegt und mich dann tatsächlich entschieden, die letzte große Fahrt mit einem Abstecher nach St. Louis zu kombinieren. Auf die gute Stunde Fahrt zusätzlich kam es dann auch nicht mehr an und ich werde sicherlich keine derartige Rundreise durch die USA mehr machen.

Die erste Idee zum Bau des Gateway Arch stammt aus dem Jahr 1933, aber es dauerte dann doch bis 1947, bis die Architektenpläne und die Statik fertig waren. Baubeginn war dann wiederum erst 1963 und die endgültige Eröffnung 1967. Umgerechnet auf die heutige Kaufkraft hat das Monument 80 Millionen US$ gekostet.

Vor dem Bogen und dem Besucherzentrum

Als ich am Vormittag nach einer Fahrt, die mich bereits durch die Anfänge des Mittleren Westens mit seinen unendlichen Ackerflächen geführt hatte, am Gateway Arch ankam, war ich von seiner schieren Größe erst einmal überwältigt. Er symbolisiert das Tor zum Westen während der großen Besiedlungsphase.

Da der Bogen ein Nationaldenkmal und der große Park darum herum ein National Park mit Rangern ist, hatte ich mit meinem ‚America The Beautiful‘-Pass zwar keinen kostenlosen, aber immerhin reduzierten Eintritt. Kleine runde Kapseln mit fünf Plätzen, von denen immer acht zusammengebaut sind, befördern jeweils 40 Besucher bis ganz nach oben zum Aussichtselement in der Mitte des Bogens. Die Fahrt dauert vier Minuten und alles ist bestens organisiert.

Der Blick von oben aus 200m Höhe ist wirklich beeindruckend, aber der Gateway Arch ist ja auch das höchste Denkmal der USA.

Das oberste Mittelstück des Bogens mit der Aussichtsplattform
St. Louis von oben
Eine gewaltige Konstruktion
Vom gegenüberliegenden Mississippiufer aus vor der Skyline gesehen

Damit war mein ursprünglicher Wunsch, einmal diesen Bogen zu sehen, dann doch noch in Erfüllung gegangen. Hätte mir Nashville wieder gut gefallen, hätte ich das bestimmt nicht gemacht. Man weiß vorher wirklich nie, wofür etwas gut ist.

Nach drei Stunden Aufenthalt setzte ich meine Weiterreise Richtung Chicago fort, wobei ich die letzten anderthalb Stunden (das erste Mal während dieser drei Wochen) im Regen und in zunehmendem Verkehr fahren musste. Aber dann war auch mein letzter Fahrtag beendet und außer morgen in die Downtown und am Dienstag zum Flughafen braucht mein treuer KIA sich nach über 4.000 Meilen nun nicht mehr anzustrengen. Und der Regen sparte mir auch die Waschanlage, die sonst vor der Rückgabe wirklich nötig gewesen wäre…

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Als ich am Morgen die Verkehrslage vom Hotel in die Downtown und die Parkplätze checkte, musste ich mich fragen, wieso ich überhaupt nur ansatzweise daran gedacht hatte, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren.

Die angezeigten Parkplatzgebühren sind für jeweils 4 Stunden!

Da war es doch wesentlich einfacher, auf den Zug (den ich auch schon vor über 20 Jahren das erste Mal benutzt hatte) umzusteigen. Der Bahnhof ist gerade mal eine Meile entfernt, das Parken am Bahnhof kostet lediglich 2 US$ und eine Fahrkarte kostet für mich nur 3.25 US$. Und der Zug hält absolut im Zentrum – 5 Minuten zu Fuß vom Willis Tower entfernt.

Die doppelstöckigen Nahverkehrszüge

So konnte ich ganz entspannt ins Zentrum von Chicago reisen und musste diesmal gar nicht selbst fahren. Und bald schon waren die ersten Elemente der Skyline erkennbar.

Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Auch für die Fahrt zum Skydeck hinauf auf den Willis Tower (ehemals Sears Tower) hatte ich mir bereits am Morgen im Hotel online ein Ticket (erfreulicherweise mit 20% Rabatt) besorgt, so dass ich die Warteschlange am Ticketschalter umgehen und direkt zur Sicherheitskontrolle und dann zum Fahrstuhl gehen konnte.

Der Willis Tower ist das höchste Gebäude von Chicago und bis vor zehn Jahren das höchste der USA. (Das höchste ist selbstverständlich der neue Freedom Tower in New York, den ich vor zwei Jahren zusammen mit der besten Ehefrau von allen besucht habe). Er war zu seiner Eröffnung 1974 das höchste Gebäude der Welt, wurde aber seit Anfang der neunziger Jahre zunehmend von Gebäuden im arabischen und asiatischen Raum übertroffen und steht heute weltweit an 20. Stelle. Er ist insgesamt 527 Meter hoch, die Besucherebene liegt auf 412 Meter. Diese Strecke überwindet der Fahrstuhl in 60 Sekunden. Die Beschleunigung dabei ist erheblich!

Panorama der Aussicht

Ich hatte heute strahlenden Sonnenschein (wenn Engel reisen 😉 ) und hervorragende Fernsicht. Was für ein Unterschied zu vor 22 Jahren, als ich hier stand und von Wolken umgeben war (dafür habe ich dann damals aber auch mein Eintrittsgeld erstattet bekommen).

Anschließend machte ich mich auf, Chicago zu Fuß zu erobern. Die Entfernungen – auch mit dem See – sind gerade noch so, dass man sie gut zurücklegen kann. Einmal bei Barns&Nobles hinein geschnuppert, bei Starbucks einen Coffee to Go mitgenommen und die Hochbahn begutachtet, die hier seit über hundert Jahren ihre Runden dreht. Sie stand im Mittelpunkt vieler Spielfilme. Ganz spontan fällt mir hier „Während du schliefst“ mit Sandra Bullock ein, deren Wohnhaus ich ja in New Orleans gesehen habe.

Über diese metallene Konstruktion fährt die „L“ und macht entsprechenden Lärm
Achtung – Genickstarre droht
Spiegelbilder
Blick auf Chicago vom Ufer aus
Kleine Pause am Lake Shore

Der Lake Michigan, an dessen Ufer Chicago liegt, bedeckt eine Fläche von 58.000 Quadratkilometern und hat damit die mehr als 100-fache Fläche des Bodensees und das gegenüberliegende Ufer ist nicht zu erkennen. Ich habe hier durchaus das Gefühl, eher am Meer zu sitzen.

Ja, auch diese berühmte Straße, die ich schon verschiedentlich gekreuzt und befahren habe, beginnt hier
Ein deutsches Restaurant – seit 1898 in Chicago. Sauerbraten und anderes…
Das muss jetzt auch mal sein – ein Budweiser im Hard Rock Cafe

Nach rund 14.000 Schritten bin ich wieder am Ausgangspunkt meiner großen Runde angekommen, der Union Station, wo ich mir ein Ticket für die Fahrt zurück besorge und mit meinem Zug schnell wieder an meinem Auto bin. Auf der kurzen Fahrt zurück zum Hotel tanke ich noch, denn ich muss den Wagen morgen vollgetankt zurückgeben, und ich nehme auch alles mit, was sich darin so angesammelt hatte und jetzt in den Koffer muss.

Packen werde ich heute noch nicht, denn ich will morgen so gegen 10:00 Uhr zum Flughafen fahren, da bleibt mir dann noch reichlich Zeit dafür, zumal ich es geschafft habe, weiterhin morgens meistens gegen halb Vier wach zu werden. Da sollte der Jetlag auch nicht ganz so schlimm ausfallen.

Während ich diesen Bericht in meinen Reiseblog tippe, höre ich zur Abwechslung und Eingewöhnung schon mal wieder deutsches Radio – wie sang schon TruckStop „Der NDR spielt Tanzmusik, ich krieg nichts andres rein“. Aber mittlerweile hat sich die hier gespielte Musik doch deutlich verbessert.

Und damit liegt nun auch bis auf die Abreise morgen mein USA Roadtrip 2019 hinter mir. 4.400 Meilen später habe ich von San Francisco ausgehend 11 Bundesstaaten befahren: Kalifornien, Nevada, Arizona, New Mexiko, Texas, Louisiana, Mississippi, Arkansas, Tennessee, Kentucky und Illinois. Ich habe soviel schöne Erlebnisse auf dieser Reise gehabt, dass ich noch lange davon zehren werde. Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf zuhause, die beste Ehefrau von allen und alle meine Lieben und Freunde. Deutschland, ich komme!

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